SPENGLER CUP DAVOS
Showtime und Spektakelgarantie

Freitag, 23. Dezember 2011 / 14:16 Uhr

Ring frei für die beste Hockey-Exhibition Europas: Zum 85. Mal wird in Davos der Spengler-Cup veranstaltet. Neben dem HCD und Kloten sind Wolfsburg, Vitkovice, Riga und das Team Canada vertreten. Ein neuer Fernsehvertrag für den exklusiven Events ist zudem absehbar.

Zum 85. Mal wird in Davos der Spengler-Cup veranstaltet.

Beim Spengler-Cup ist das Spektakel der Hauptprogrammpunkt. Das Publikum will unterhalten werden. Der HC Davos, mit fünf Meistertiteln seit 2002 die erfolgreichste Equipe der Schweiz, garantiert Qualität. Und der zweite NLA-Vertreter ist ohnehin bekannt für Hochgeschwindigkeits-Hockey: Kloten figuriert erstmals seit der Premiere vor 21 Jahren wieder auf der Gästeliste des weltweit renommiertesten Klubturniers.

In den vergangenen vier Jahren haben sich die Exponenten der Kontinental Hockey League (KHL) nahezu ausnahmslos von ihrer besten Seite präsentiert. Drei der vier letzten Finals endeten mit einem Triumph der KHL-Klubs. Ob Dinamo Riga die «russische» Serie verlängern kann, ist offen. Die Liste der Siegkandidaten ist länger als auch schon. Und der Modus (im letzten Jahr eingeführt) mit den Gruppenspielen hat sich bewährt. Bis zum vierten Turniertag besitzt jeder Teilnehmer die Chance, den Halbfinal zu erreichen. Im Idealfall genügen einer Equipe vier Spiele zum Turniersieg.

Eine dominante Rolle ist den beiden Schweizer Teams zuzutrauen. Davos hat eine vorzügliche erste Meisterschaftsphase hinter sich. Die Bündner sind auf allen Positionen überdurchschnittlich gut besetzt - und Reto von Arx, der Chef im Rink, hat sich von seiner Verletzung erholt. Viel haben auch die Flyers vor, zumal sich ihr medizinisches Bulletin mittlerweile wieder etwas verkürzt hat. Für Jürg Schawalder, den Sportchef der Zürcher, ist das Show-Format beim Spengler-Cup ideal: «Eigentlich müssten wir eine Attraktion sein.»

Gruppe «Torriani»: Kloten und der NHL-Saurier

Die Flyers treffen in der Gruppe «Torriani» auf Dinamo Riga und den EHC Wolfsburg. Dinamo wird vom früheren NLA-Coach Pekka Rautakallio geführt. In der russischen Meisterschaft sind die Letten im Mittelfeld klassiert. Zu unterschätzen sind die Osteuropäer nicht. Der nicht allzu klingende Name trügt: Mit dem früheren Stanley-Cup-Sieger Sandis Ozolins steht ein NHL-Saurier im Team. Der Verteidiger erspielte sich in der weltbesten Liga sieben Allstar-Game-Teilnahmen. Seine Erfahrung von 1012 Spielen in der National Hockey League ist Gold wert. Der mutmasslich reichste lettische Sportler ist nach wie vor eine absolute Attraktion.

Wolfsburg verschaffte sich im vergangenen Frühling sechs Jahre nach dem ersten Aufstieg in die DEL im deutschen Championat Respekt. Die Hockey-Filiale des mächtigen VW-Konzerns wurde erst im Playoff-Final gestoppt. Die Stars des Teams sind im Sturm und im Tor engagiert. Kai Hospelt führt die DEL-Skorerliste an. Der gebürtige Berliner Daniar Dshunussow ist in der Keeper-Wertung in den Top 3 klassiert.

Gruppe «Cattini»: Davos und der 18-fache Finalist

Davos begegnet im Pool «Cattini» dem 18-fachen Finalisten Team Canada und dem tschechischen Klub HC Vitkovice. Im Team der Kanadier stehen diverse Professionals mit respektablen NHL-Kennzahlen; in der NLA-Skorerliste ist der Einfluss der Nordamerikaner indes gesunken. Geführt wird die Auswahl von Marc Crawford, einem früheren Stanley-Cup-Sieger, der 1998 auch Coach der kanadischen Olympia-Equipe war (4. in Nagano).

Vitkovice tut sich derzeit in der «Extraliga» ungemein schwer. Der Klub des früheren NHL-Topverteidigers (und Servettiens) Marek Malik (756 Partien u.a. für New York Rangers, Vancouver und die Hurricanes) steht der Abstiegsrunde zurzeit näher als den Playoffs. Für die «Steelers» kommt der energieraubende Auftritt wohl nicht im besten Moment.

Diskussionen hinter den Kulissen

Das Turnier in der Altjahreswoche ist an sich perfekt getimt - in jeglicher Beziehung. Die Landschaft ist in eine dicke Schneeschicht gehüllt, die Atmosphäre festlich - und der übrige nationale Hockey-Betrieb ruht. Davos steht während sechs Tagen nahezu exklusiv im Mittelpunkt. Und die Veranstalter peilen selbstredend eine Fortsetzung dieser speziellen Konstellation an.

Hinter den Spengler-Cup-Kulissen wird seit Monaten intensiv verhandelt. Der TV-Vertrag soll um mehrere Jahre verlängert werden. Die Diskussion mit dem Schweizer Fernsehen verläuft neu bilateral; der Spengler-Cup ist künftig nicht mehr Teil des Gesamtpakets mit der Liga. Wenige Tage vor dem Start zur 85. Auflage der Hockey-Exhibition trafen sich die Parteien in Zürich erneut. Im Grundsatz ist sich die Runde einig: Das hochwertige Produkt dürfte wohl auch in den kommenden Jahren live übertragen werden. OK-Chef Fredi Pargätzi ist zuversichtlich: «Ich rechne mit einem baldigen Entscheid.»

Ein Teil der Konkurrenz aus der NLA stört sich seit Jahren an der generellen Spielpause und fordert für den möglichen Ausfall von Einnahmen eine höhere Entschädigung. HCD-Präsident Gaudenz F. Domenig missfällt die Kritik aus der eigenen Liga. «Seit Mitte der Sechzigerjahre probieren andere, ein Turnier aufzubauen. Es gibt eines, das ausverkaufte Stadien hat. Es ist für mich dann etwas komisch, dass jener Verband oder jene Liga, die das Turnier haben, dagegen arbeiten. Das ist schon eine eigenartige Konstellation.»(joge/Si)